Strand ahoi!
Auszüge aus dem Bericht in der ZEIT über eine Gulet-Reise an der tükischen Küste
Die blaue See zwischen sich und dem Urlauberrummel: Auf einem traditionellen Holzsegelboot, der Gulet, erlebt man die türkische Ägäis von der schönsten Seite
...Unser Holzsegler liegt im westtürkischen Bodrum vor Anker. Die Stadt wird in Reisekatalogen als das »türkische St.-Tropez« beworben. Mit Erfolg. Hier ist die Natur schön, aber der Trubel groß. Vom Wasser aus erkundet, scheinen mir Bodrum und Umgebung erholungssicherer. Vier Tage lang werde ich an Bord einer Gulet, eines hiesigen Holzboots, durch den Golf von Gökova fahren...

...Harmlos schlagen kleine Wellen an meine Luke, aus meinem Bullauge sehe ich Blau: das Wasser mit Türkisstich, der Himmel weiß getupft. Sanft werde ich in meinem Bett hin und her geschaukelt und fühle mich unbeobachtet bis etwas an meinem Fensterchen vorbeischnorchelt. Kein Fisch, sondern ein Mann in Badehose...
...An Deck unserer MS Nikola ist es noch menschenleer. Rechts und links neben unserem Schiff liegen andere Gulets. Gelackt glänzen sie in der Sonne und sehen aus wie geklont: Alle sind sie zweimastig, dickbäuchig, haben vorn einen Esstisch und Sofaecken, in der Mitte die Kommandobrücke, hinten das Sonnendeck mit Liegen...
...Die Gulets werden in der Region schon seit der Antike gebaut. Damals, um Oliven und Wein zu befördern, heute für Oliven essende und Wein trinkende Touristen, die sich durch die türkische Ägäis schippern lassen. »Blaue Reise« heißt so eine Tour in den Reiseprospekten. Sie kann einen Tag dauern oder eine ganze Saison von Mai bis Ende Oktober. Mittlerweile gibt es mehr als 2000 Schiffe. Sie fahren in der Regel mit Motor, weil sie nicht die besten Segler sind. Wären sie alle gleichzeitig unterwegs, wäre es auch auf dem Wasser mit der Ruhe vorbei. Jetzt aber, in der Vorsaison, sind die meisten noch am Kai festgemacht...
...Der zweite Tag verrinnt wie der erste. Wir steuern Badebuchten an, beobachten andere Boote, genießen die Vorzüge, die so eine Schiffsreise hat: Wir können sonnenbaden ohne Kampf um die Liege, Sorge um die Wertsachen oder Sand im Badeanzug. Und die Frage »Welches Restaurant besuche ich heute?« stellt sich erst gar nicht. Helene klagt, dass sie vor lauter Sonnenbaden kaum Zeit zum Lösen ihrer Kreuzworträtsel hat. Der hessische Dialekt ist für mich mittlerweile Hintergrundmusik. Gerne unterhalten sich meine älteren Mitreisenden mit der Crew. Die einen sprechen nicht Deutsch, die anderen nicht Türkisch oder Englisch. Aber irgendwie verstehen sie sich: Einer fragt den Kapitän nach dem Feldstecher und entdeckt eine steinerne Meerjungfrau am Ufer. »Kannst du mich nicht bei ihr über Nacht absetzen?«, fragt er. Der Kapitän nickt, und seine Frau kann darüber lachen...
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Annettes Blaue Reise mit einer Gulet | Interview mit dem Gulet-Berater